Kulturwerkstatt 
und Kabarett

2. Mai
16 bis 18 Uhr

Zwischen Clownsnase, Bürokratie und Resolution:

Frankfurt (Oder), Samstagnachmittag – Die erste öffentliche und performative Versammlung des Dadaismus an der Oder ist nach einem bewusst holprigen Beginn mit über dreißig Teilnehmenden und zahlreichen interessierten Passant:innen erfolgreich zu Ende gegangen. Die Veranstaltung verband Elemente klassischer Versammlungsformate mit künstlerischer Intervention, literarischer Reflexion und dadaistischer Irritation.

Nach dem formalen Auftakt entwickelte sich unter den Augen Karls mit roter Nase eine Mischung aus Ernst und Absurdität. Die Tagesleitung, vertreten durch eine anonyme Postautonomie in Regenbogen-Maske, empfand ein Meinungsbild der Anwesenden – ob sie der Meinung seien, dass Herr Bundeskanzler Merz denn Eier lecken sollte, empfand die Frage für eine Urne mit Asche unbekannter Herkunft – als nicht adäquat.

In einer weiteren Abstimmung wurden also die Anwesenden vor die Wahl zwischen Krieg und Faschismus gestellt. Das knappe Ergebnis – sieben Stimmen für Krieg gegenüber sechs für Faschismus – wurde durch dutzende ungültige Wortmeldungen wie „Liebe“ oder „Hüpfburg“ eben nicht konterkariert oder machte die Logik solcher Alternativlosigkeiten sichtbar: Denn Liebe und Hüpfburgen gibt es bekanntlich sowohl im Krieg als auch Faschismus.

Zwischen Abstimmung und Auszählung las die Schriftstellerin Carmen Winter eine gekürzte Fassung eines Essays von Arendt über Kafka und führte das Publikum in eine Welt der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts, deren strukturelle Veranlagung uns laut Arendt durch Kafka nahbar wird „und durch die Realität der Gaskammern nichts an Unmittelbarkeit eingebüßt hat“. Die strukturelle Ähnlichkeit der zwanziger Jahre dieses und des letzten Jahrhunderts ist verblüffend und ebenso absurd wie die Tatsache, dass wir bei 8 Milliarden Menschen für 12 Milliarden Menschen Lebensmittel produzieren – während etwa 300 Millionen Menschen übermorgen verhungert sein könnten; und stattdessen Hotels im Weltraum geschaffen werden.

Mit der Uraufführung des Klangwerks von Thorsten Soltaus Werk „Über der Stadt“ in drei Akten wurde anschließend eine künstlerische Auseinandersetzung mit Urbanisierung, Randlagen von Metropolen sowie Fragen von Subversion und Revolte dargeboten. Das Werk wird vom DADO und Künstler für nicht-kommerzielle Zwecke der Öffentlichkeit, der Artothek sowie dem Stadtarchiv Frankfurt (Oder) zum Nachhören und -denken zur Verfügung gestellt.

Zu den performativen Höhepunkten der Veranstaltung zählte die Intervention eines Ritters, der von historischen Kriegen (von Jerusalem bis Gondor) berichtete und darauf verwies, dass Krieg und Elend wohl doch ein wenig älter sind als kapitalistische Produktionsverhältnisse. Als Live-Action-Role-Player versucht er Drachen zu bekämpfen, wofür er bei echten Drachen und im echten Leben lediglich weitere Nachtschichten erhalten würde.

 

Den Abschluss bildete die einstimmige Annahme einer Resolution des Kollegenkreises Wichern. Darin wird die Diskrepanz zwischen globaler Empörung über den Bruch internationaler Ordnung und dem gleichzeitigen Ignorieren alltäglicher Menschenrechtsverletzungen im Kontext sogenannter Behindertenwerkstätten in der direkten Nachbarschaft angeklagt und die Auflösung der Anstalt gefordert.

Die Veranstaltung versteht sich als Auftakt für weitere öffentliche Versammlungen, die gesellschaftliche Widersprüche durch künstlerische Praxis sichtbar machen.

2. Mai
16 Uhr

Einladung zur 
1. Kabarett-
Versammlung

Denn, die alte Welt liegt im Sterben, 

die neue ist noch nicht geboren: 

Es ist die Zeit der Monster. 

Die Monster dürfen nicht gewinnen, 

wir dürfen nicht zu Monstern werden, 

es ist nicht der Fortschritt, der uns rettet, 

es ist es sind die Risse im Kontinuum. 

 

Also, die Waffe der Kritik
 kann die Kritik der Waffen nicht ersetzen, 
Deshalb: 

DADO

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